Sachsen zählt zu den dichtesten Forschungsregionen Europas auf dem Gebiet der Werkstoff-, Produktions- und Recyclingtechnik. Mit CircEcon werden die komplementären, jeweils national sichtbaren Spitzenkompetenzen von vier Hochschulen erstmals dauerhaft unter einem Dach zusammengeführt. Erst diese Bündelung erlaubt es, den gesamten Lebens- und Stoffzyklus eines Materials wissenschaftlich abzudecken – von der Werkstoffanalytik über das Recyclingverfahren bis zur Qualitätssicherung des Rezyklats. Als gemeinsame Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung der TU Dresden handelt CircEcon neutral, wissenschaftlich fundiert und im öffentlichen Interesse.
Die Stärke liegt im Zusammenspiel: Erst die Verbindung von Werkstoff-, Prozess- und Bewertungskompetenz erlaubt es, einen Stoffstrom vollständig zu verstehen – und ihn so zu führen, dass am Ende ein Material mit definierten, reproduzierbaren Eigenschaften steht.
Hydrierende Depolymerisation und Oberflächentechnik · Inline-Charakterisierung von Metallen, Polymeren und Rezyklat-Polymeren · Rezyklate mit gesicherten, vordefinierten Eigenschaften.
Roboter- und exoskelettgestützte Demontage · wasserstoffbasierte Schmelzöfen · thermochemische Verarbeitung komplexer Stoffgemische · intelligente Sortierung · Recycling von Produkten unsicherer Zusammensetzung.
Prozessübergreifende Stoff- und Energieflussanalyse - Interaktionspunkte zur Sektorkopplung - Betriebsstrategien für fluktuierende Rohstoff- und Energieversorgung.
CircEcon entsteht aus einer einfachen Überlegung: Die für eine treibhausgasneutrale Kreislaufwirtschaft nötigen Kompetenzen liegen in Sachsen bereits vor – sie waren bislang nur auf vier Standorte verteilt. Zugleich ist CircEcon eine Antwort auf den Kohleausstieg in der Lausitz: Mit dem Wegfall mehrerer tausend Arbeitsplätze braucht die Region einen neuen wirtschaftlichen Nukleus.
Getragen wird CircEcon von einem Lenkungsausschuss der vier Hochschulleitungen und einem wissenschaftlichen Direktorium, begleitet durch die zuständigen sächsischen Ministerien. Diese Struktur verankert wissenschaftliche Exzellenz und die enge Anbindung an die regionale Wirtschaft gleichermaßen.
CircEcon bildet nicht einzelne, isolierte Verfahren ab, sondern die zusammenhängende Wertschöpfungskette – vom Probestoff zum charakterisierten Rohstoff. Eingangsströme wie Schredder-Fraktionen und Metall-Kunststoff-Mischstrukturen durchlaufen Stationen wie Sortierung, Demontage, In-situ-Polymerisation, überkritische Solvolyse, Hochtemperatur-Oxidation, HydroCracking und Aluminium-Reinigung. Am Ende stehen hochwertige Ausgangsstoffe: Methanol, Synthesegas, Re-Granulate, Aluminium-Halbzeuge, Reinstfasern und FKV-Strukturen. Materialien, die sonst als gering- oder unverwertbar gelten, werden so in einen definierten Rohstoff mit nachweisbaren Eigenschaften und dokumentierter Verfahrenshistorie zurückgeführt. Für Partner bedeutet das einen Ansprechpartner für den gesamten Stoffstrom statt vieler Einzeldienstleister. Erste Anwendungsfelder liegen bewusst dort, wo Recycling heute an Grenzen stößt: bei komplexen Verbundwerkstoffen und Hybridstrukturen aus Luftfahrt, Windkraft und Leichtbau.